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Unbequeme Greta

 

Wir Menschen haben eine tief verwurzelte Angst vor Veränderung. Bevor wir uns aus unserer Komfortzone bewegen, suchen wir lieber nach Gründen, um die, die ihre Komfortzone bereits verlassen haben, zu verurteilen. Ich habe das Gefühl, an Greta Thunberg wird gerade die gesamte Ohnmacht ausgelassen, die Menschen im Rahmen der Klimadebatte empfinden. 

 

Ich verstehe total, dass man sich manchmal ohnmächtig fühlt ob der vielen unterschiedlichen Informationen, die einem begegnen auf der Suche nach Antworten und unabhängiger Berichterstattung. Du fragst dich vielleicht, wo du anfangen sollst. Was kann denn nun effektiv helfen beim Schutz unseres Klimas? Was macht einen Unterschied und auch: Wie kann ich mir dabei möglichst viel Lebensqualität erhalten? 

 

Die Lösung wird nicht sein, diesen ganzen Frust auf verletzende Weise an einer 16-Jährigen auszulassen und ihre Motive zu hinterfragen, damit wir für kurze Zeit unser schlechtes Gewissen beruhigen. 

 

Früher habe ich oft erfolgreiche Menschen gegoogelt und mir dann überlegt: „Die haben bestimmt keine Freunde, wenn sie so viel Zeit in ihren beruflichen Erfolg investieren müssen. Das möchte ich ja nicht.“ Mit dieser Story im Kopf ist es einfach, sich wieder hinzusetzen und nicht zu starten. Ganz ehrlich, ich möchte gern das Klima schützen, aber ich weiß auch nicht genau, wo ich anfangen soll, wann ich und ob ich überhaupt zwischendrin mal kurz aufhören darf, mir darüber Gedanken zu machen. Es gibt Tage, da bin ich komplett verwirrt. Ich rege mich unheimlich über mich selbst auf, wenn ich vergessen habe, einen Beutel mit zum Einkaufen zu nehmen, geißle mich dafür, wenn ich den To-Go-Becher für Kaffee oder Tee nicht dabeihabe, weil ich mal wieder die Handtasche gewechselt habe. Und dann sortiere ich meine Sachen aus und kann beim Trennen des Mülls nicht aufhören, darüber nachzudenken, ob am Ende nicht doch alles auf einem Haufen zusammengeworfen wird. So lange ich mir das erzähle, ist es ja leicht, einfach alles in eine Tonne zu schmeißen. Wir Menschen sind bequem.

 

Und dann kommt da eine 16-Jährige, der es mühelos zu gelingen scheint, unsere Erde zur Priorität zu machen. Am Abend habe ich mich mit einer Zehnjährigen darüber unterhalten. Sie sagte: „Ich finde gut, was Greta alles macht, aber irgendwie nervt es mich auch ein bisschen, sie dauernd überall zu sehen.“ Kinder sind so ehrlich. Greta ist unbequem.

 

 

Also ist es vielleicht leichter, etwas an ihr zu suchen, das nicht gefällt, als sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen oder? Auch Greta ist sicherlich nicht perfekt. Das muss sie aber auch nicht sein. Sie hat an einigen Stellen mehr Courage als viele von uns, und genau deshalb steht sie gerade da wo sie steht. Das ist auch eine ziemlich Last, die sie da trägt. Wir müssen nicht all ihre Ansichten teilen, nicht mit jeder ihrer Redewendungen übereinstimmen. Was wir aber machen können, ist ihr auf wertschätzende Art zuzuhören und zu verstehen: Alle können etwas tun und zwar das, was im eigenen Rahmen möglich ist, auch wenn man dabei nicht perfekt ist. Wenn ich mir ihren wütenden Blick vorstelle und wie sie mit dem Fuß aufstampfen würde, gelingt es mir jedenfalls, noch einen Schritt weiter aus meiner Komfortzone zu kommen.

 

Danke, Greta.  

 

Hier noch zwei Links zum Nachlesen.
Zur Info: Ich stimme nicht mit jedem Wort aus den beigefügten Artikeln überein.


https://www.merkur.de/politik/un-klimagipfel-greta-thunberg-in-new-york-mit-wutrede-politiker-distanzieren-sich-zr-13024021.html?utm_source=pushwoosh&utm_medium=push&utm_campaign=webpush

https://www.focus.de/wissen/mensch/psychologie/un-rede-spaltet-die-welt-psychologe-erklaert-woher-der-hass-auf-greta-kommt_id_11180082.html